Sauerteig ist im Grunde eine Mischung aus Mehl und Wasser, die mithilfe natürlicher Hefen und Bakterien aus der Umgebung und dem Mehl selbst fermentiert wird (ganz ohne chemische Hefe). Wenn wir von Roggensauerteig sprechen, meinen wir eine solche Mischung, die mit Vollkornroggenmehl angesetzt und gefüttert wird – was ihr ganz besondere und wertvolle Eigenschaften beim Brotbacken verleiht.
Im Gegensatz zu industrieller Hefe ist Sauerteig kein chemischer Zusatzstoff: Es handelt sich um ein mikrobielles Ökosystem, das langsam arbeitet. Milchsäurebakterien und wilde Hefen arbeiten gemeinsam daran, die Zucker im Mehl zu verstoffwechseln, Gase freizusetzen und dem Brot Struktur, Aroma und Geschmack zu verleihen.
Roggensauerteig verhält sich anders als Weizensauerteig. Roggenmehl ist reicher an Enzymen und vergärbaren Zuckern, was die mikrobielle Aktivität begünstigt und eine schnellere, gleichmäßigere Fermentation ermöglicht. Deshalb ist es ein hervorragender Partner beim Backen von Roggenbroten, Mischbroten oder Vollkornbroten mit saftiger Krume und intensivem Geschmack.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du Roggensauerteig Schritt für Schritt selbst ansetzt, beantworte häufige Fragen und erkläre dir, wie du ihn verwenden kannst.

Warum Roggensauerteig verwenden?
- Bessere Verdaulichkeit (bekömmlicheres Brot): Die lange Fermentation hilft dabei, einen Teil des Glutens und der Phytinsäure abzubauen, was die Verdauung und Nährstoffaufnahme erleichtert.
- Reicherer und komplexerer Geschmack: Mit Roggensauerteig fermentiertes Brot entwickelt sowohl säuerliche als auch süßliche Aromen, die mit industrieller Hefe nicht erreicht werden können.
- Längere Frische: Ein mit Sauerteig gebackenes Brot bleibt länger frisch, da organische Säuren als natürliche Konservierungsmittel wirken.
- Struktur und Feuchtigkeit: Roggen nimmt Wasser anders auf als Weizen, und Sauerteig hilft dabei, eine weiche, saftige Krume mit gutem Volumen zu erzielen.

Roggensauerteig (Schritt-für-Schritt-Anleitung)
Sauerteig besteht nur aus Mehl + Wasser + Zeit – und Roggen ist ideal, weil er sehr leicht fermentiert.
Zutaten
- Bio-Vollkornroggenmehl
- Wasser (am besten Mineralwasser oder abgestandenes Leitungswasser)
Zubereitung
- Tag 1
30 g Vollkornroggenmehl
30 g Wasser
Gib in ein Glasgefäß das Mehl und das Wasser, verrühre alles, bedecke das Gefäß mit einem Küchentuch, das mit einem Gummiband fixiert wird, und lasse es 24 Stunden stehen.
- Tag 2
Füge zur Mischung vom ersten Tag hinzu:
30 g Roggenmehl
30 g Wasser
Vermische alles erneut und decke wieder ab.
- Tag 3
Entferne die Hälfte der bisherigen Mischung und gib hinzu:
40 g Roggenmehl
40 g Wasser
- Tag 4
Dein Sauerteig ist bereit, wenn er:
Sein Volumen verdoppelt
Blasen bildet
Angenehm duftet
Wenn die Gärung noch zu langsam ist, wiederhole die Fütterung wie an Tag 3 noch einmal.

Woran erkennst du, dass dein Sauerteig reif ist?
Klare Anzeichen für einen aktiven Sauerteig:
- Er zeigt deutlich sichtbare Bläschen
- Er steigt und fällt
- Er riecht angenehm säuerlich (nicht nach Essig)
- Er hat eine luftige, nicht flüssige Textur
Wenn das nicht zutrifft, ist der Teig noch nicht bereit – einfach weiter füttern.
Wie bewahrt man Sauerteig täglich auf?
In welchem Behälter?
Ideal ist ein sauberes Glas mit weiter Öffnung, damit du gut umrühren und den Gärprozess beobachten kannst. Metallbehälter sollten zur dauerhaften Aufbewahrung vermieden werden.
Abgedeckt oder offen?
Abgedeckt, aber nicht luftdicht.
Der Sauerteig muss nicht „atmen“ im Sinne von offener Luftzufuhr, aber Gase während der Fermentation müssen entweichen können.
Am besten:
- Den Deckel nur auflegen, nicht festschrauben
- Oder mit einem sauberen Tuch oder Mulltuch und Gummiband abdecken

Wie verwendet man Roggensauerteig beim Brotbacken?
Wenn dein Roggensauerteig aktiv ist – also Bläschen zeigt, an Volumen zugenommen hat und angenehm säuerlich riecht – kannst du ihn verwenden, um Brote wie die folgenden zu backen:
- Vollkorn-Roggenbrot
- Mischbrot aus Roggen und Weizen
- Mehrkornbrot
- Rustikale Laibe oder Stangen
Wie ersetzt man Bäckerhefe durch Sauerteig?
Hefe durch Sauerteig zu ersetzen bedeutet, das Triebmittel komplett zu tauschen – nicht einfach nur zusätzlich zuzugeben.
Wie viel Sauerteig verwendet man? Als allgemeine Richtlinie verwendet man 20–30 % aktiven Sauerteig im Verhältnis zur Gesamtmehlmenge.
Beispiel:
Wenn ein Rezept 500 g Mehl enthält, verwendet man 100–150 g Sauerteig und keine zusätzliche Hefe.
Dabei ist zu beachten, dass die Teigführung länger dauert. Man sollte sich nach dem Volumen und der Teigstruktur richten, nicht nur nach der Uhr, denn Teige mit Sauerteig brauchen mehr Zeit.

Häufige Probleme… und wie man sie löst
Mit Sauerteig zu arbeiten erfordert Geduld. Häufige Herausforderungen sind:
- Am Anfang keine Blasenbildung: Kein Grund zur Sorge – das ist in den ersten Tagen normal. Einfach regelmäßig weiterfüttern. Temperatur und Routine sind entscheidend.
- Starker, unangenehmer Geruch: Kann auftreten, wenn der Teig überreif ist oder zu lange nicht gefüttert wurde. Häufiges Auffrischen und Teilverwerfen helfen, das Gleichgewicht zu halten.
- Flüssige Textur: Wenn sich Flüssigkeit („Hooch“) absetzt, ist das ein Zeichen dafür, dass der Teig häufiger gefüttert werden sollte.
Mit regelmäßigen Fütterungen, dem richtigen Verhältnis von Mehl und Wasser und moderaten Temperaturen (20–24 °C) stabilisiert sich Roggensauerteig meist schnell.
Fazit
Roggensauerteig ist kein Trend, sondern ein uraltes Handwerk. Mit etwas Geduld und Hingabe kannst du schmackhaftere, gesündere und länger haltbare Brote backen. Wenn du verstehst, wie Sauerteig funktioniert und wie du ihn pflegst und in deine Rezepte integrierst, öffnest du die Tür zu einer bewussteren und erfüllenderen Art des Brotbackens.
Wenn du dein erstes Roggenbrot backen möchtest, schau dir gerne diesen Beitrag mit einem köstlichen Rezept an.
